Alle Tage auf einmal

Projekt H (-9)

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Urlaub / Projekt H

Wenn ich so den Blog schreibe entdecke ich, dass wir nun einstellig sind. Also bin ich heute die neuntletzte Tour gegangen und wusste es gar nicht. Aber ich hätte es bemerken können, denn es gab einiges Neues, das in dieser Art zuvor noch nicht aufgetreten war. Aber der Reihe nach … Heute brachte der Liebling-Postler meinen Rucksack und damit war klar, dass ich eine Tour zum „Eintragen” gehen würde und trotz einiger Verzögerungen stand ich dann um 18:02 wieder vor der Türe.

Die übliche Testrunde für neues Gerät.

Der diesige Himmel und die dumpfe Vorhersage von Regen am Abend war mir Ansporn, zügig auszuschreiten. Im Rucksack hatte ich nur etwas Ballast, den Poncho, drei Äpfel und einen Liter Wasser, denn ich war mir sicher, vor dem Regen zuhause zu sein.

Das Unterdorf und schon der erste Halt.

Vorbei an emsigen Immen führte mich der Weg aus dem Unterdorf zum Beginn des Bewegungs-Parcours, wo ich auf eine Mutter mit Kind und jungem Hund stieß. Ganz klar, dass damit ein Gespräch unvermeidlich war und erst ein Blick auf den sich immer weiter verdüsternden Himmel forderte mich zum Weitergehen auf. Die letzten Tage mit den hohen Temperaturen hatten die Waldwege gut ausgetrocknet und so gelangte ich ohne Stöcke und Schleudern an den tiefsten Punkt der Runde, an der Wandfluhbrücke, die mich über die gar nicht mehr virulente Weißach führte, an deren Ufer weggerissene Mauerteile als Andenken der letzten Wolkenbrüche zu entdecken waren.




Wandfluh.

Die Wandfluhbrücke hat ihren Namen von der Wandfluh, einem senkrecht aufragenden Felsen auf der Sulzberger Seite der Brücke. Ein überaus imposantes Stück Natur, an dem vorbei es zügig bergan geht. Auf dem Weg nach oben konnte ich heute sogar zwei Golferinnen glücklich machen, da sich zwei Golfbälle abseits der Bahn im Gras fanden. Hinter dem Scheitelpunkt öffnet sich dann der etwas beunruhigende Blick auf den restlichen Heimweg, Nägeleshalde.


Nägeleshalde, schon wieder.

Unten links sieht man den Weg an die Weißach, der dann nach oben an der Kirche von Aach vorbei in das Wäldchen führt, in dem Nägeleshalde lauert. Etwa 45° nach oben rechts markiert ein hellbraunes Bauernhaus den Einstieg zum höchsten Punkt der Runde, von dem aus sie noch einen Kilometer bis nach Hause fällt. Und da ich konditionell heute irgendwie lahmer drauf war als auf früheren Touren, betrachtete ich dieses Panorama mit etwas gemischten Gefühlen.

Tatsächlich zog sich der Anstieg heute ganz nah am Aufgeben, doch ohne ein Verkehrsmittel ist Aufgeben sowieso keine Option. Da ich auch keine Hängematte eingepackt hatte, war auch an eine Übernachtung im Anstieg nicht zu denken, also ging ich Schritt um Schritt bergwärts, bis mich ein gütiges Schicksal einem Einheimischen in die Arme trieb, mit dem es zu einem längeren Austausch über die seltsamen Ecken der Welt, die wir schon bereist hatten, kam. So hörte dann auch irgendwann das Tropfen von meiner Stirn auf, Atmung und Puls beruhigten sich und irgendwann war es dunkel genug, um den Weg fortzusetzen. Der Rest des Anstiegs war genauso unlustig wie der Einstieg, aber kürzer und somit auch zu bewältigen. Oben belohnte mich dann einer der sagenhaften Sonnenuntergänge und den beobachtend ließ ich mir den letzten Apfel auf der Zunge zergehen.


Hellbraunes Bauernhaus im Abendglühen.

Damit die Verhältnisse ins rechte Licht gerückt werden, hier noch das hellbraune Bauernhaus, das oben im Überblick schon erwähnt wurde. Von hier aus ging es dann noch die letzten paar Meter nach oben, ehe der Abstieg zum Littenbach, über die Grenze zurück nach Vorarlberg, zum Auflockern gerade recht kam. Aus dem Tobel nach oben letztes Glühen am Horizont, das erloschen war, als ich meine Haustür öffnete. Was zu meinem Erstaunen gar nicht so viel später erfolgte, als ich aufgrund meiner Indisponiertheit, den vielen Fotos und den ausführlichen Gesprächen vermutet hätte: lächerliche 20 Minuten über der Zeit scheinen mir ein guter Start in den einstelligen Countdown. Der Rucksack hat sich gut getragen, mit mehr Gewicht wird's wahrscheinlich noch schweißtreibender. Die Schuhe sind bis 10 Kilometer problemlos, ab etwa 8 Kilometer beginne ich aber, die Füße zu spüren. Allerdings ohne echte Nebenwirkungen, also weder Blasen noch zusätzliche blaue Zehen noch unangenehme Gefühle. Ich bin schon gespannt, was der letzte Countdown noch alles bringt.

Wohin soll die Reise gehen? Der nächste Klick zeigt den nächsten oder den vorigen Tag, ganz nach Gusto.